Unser Programm 2025 – 2026

Das Rahmenthema der Philosophischen Gesellschaft im Halbjahr 2025/26 lautet Vielfalt des Denkens. Wir erleben zur Zeit in der Politik, aber auch in weiteren gesellschaftlichen Zusammenhängen das Aufkommen von Denkansätzen, die auf viele von uns zumindest befremdlich wirken. So lassen nicht nur verschwörungstheoretische Denkweisen, sondern auch die vielfältigen Tendenzen zu autoritären Politiken die Frage aufkommen, welche Wertvorstellungen dahinter stecken, insbesondere auch im Umgang mit Wissenschaft, Wahrheit und Lüge. Auch Vorstellungen über das menschliche Zusammenleben mit technologischem Hintergrund, wie sie aus dem Silicon Valley bekannt geworden sind (z. B. Peter Thiel), wirken zumindest verblüffend.
In anderer Weise beachtenswert sind auch nichtwestliche Philosophietraditionen. Asiatischen Denken ist uns inzwischen nicht mehr ganz fremd, aber noch weitgehend unbekannt ist z. B. das Denken von Afrikanerinnen und Afrikanernn etwa in der die Ubuntu-Philosophie, die auf Gemeinschaft, Verbundenheit und gegenseitiger Verantwortung basiert. 
Wir werden in dem Veranstaltungszeitraum nicht im Ansatz einen Überblick über all die erwähnten unterschiedlichen Denkansätze geben können. Wir können allenfalls gewisse Einblicke geben und ein wenig an der Selbstgewissheit kratzen, die uns die westlichen Philosophietraditionen seit der Aufklärung meist vermittelt haben.
Darüber hinaus wird unser Programmangebot eigenständige Themen und Vortragsreihen beinhalten wie z.B. die Philosophie-Werkstatt an jedem ersten Montag im Monat, die unregelmäßig stattfindende Reihe Zur Sache, aber auch Ideen und Aktivitäten der Gruppen Philosophischer Spaß und Two Cent Circus werden zu finden sein und in der Regel erst kurzfristig in unser Programm aufgenommen. Die Angebote werden unter www.phgb.de zu finden sein.

Termine

15. Januar 2026, 19 Uhr
Bremer Presse Club, Schnoor 27
Jonathan Asmuss
Haltung gegen politischen Fatalismus

Die aktuelle nationale und geopolitische Lage veranlasst viele Denker*innen zu fatalistischen Einschätzungen und historischen Vergleichen: Die Zeit der Demokratie nähere sich dem Ende, die Geschichte wiederhole sich, Autoritarismus und Faschismus seien unausweichlich. Welche politische Theorie wäre geeigneter, solch destruktivem Pessimismus Paroli zu bieten, als die Hannah Arendts? Als eine der großen Denkerinnen des 20. Jahrhunderts erlebte sie den Faschismus nicht nur, sondern verfasste ein bahnbrechendes Werk, über die „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“. Vor diesem Hintergrund können zentrale Lehren ihrer politischen Theorie herangezogen werden, um abseits bloßer Hoffnung Aktivismus auf ein geeignetes Fundament zu stellen: Genuin politische Ereignisse durchbrechen immer die Erwartungen von Statistik und angeblicher Gesetzmäßigkeit, der Konflikt ist ein unabdingbares und positives Element politischen Daseins und abseits von Institutionen kommt es insbesondere auf unsere Haltung an – eine Haltung des Mutes, der Klugheit und der Freundschaft. 

29. Januar 2026, 19 Uhr,
Bremer Presse Club, Schnoor 27
Tammo Lossau, Bremen
Nachdenken über die gesellschaftliche Ordnung. Ein Blick auf die chinesische Antike
In Debatten über Demokratie und gesellschaftliche Freiheit in anderen Teilen der Welt wird manchmal die These in Stellung gebracht, dass andere Kulturen eben auch unterschiedliche Werte mitbringen und beispielsweise manchmal mehr gemeinschaftlich orientiert oder stärker hierarchisch veranlagt sind. Diese These hat in Teilen ihre Berechtigung, aber wird auch gelegentlich instrumentalisiert. In diesem Vortrag soll das vorliegende Spannungsverhältnis am Beispiel der antiken chinesischen Philosophie diskutiert werden. Es zeigt sich, dass insbesondere der Konfuzianismus eine starke Orientierung hin zu einer hierarchischen Ordnung von Familie und Staat hat. Allerdings ist diese Hierarchie auch gebunden an eine Idee des guten und „milden“ Regierens udn findet ihre Grenzen auch dort, wo ein Herrscher das Wohl des Volkes und die Entwicklung guter Sitten nicht im Blick hat.

12. Februar 2026, 19 Uhr
Bremer Presse Club, Schnoor 27
Prof. Norman Sieroka, Bremen
Was macht ein Philosoph auf der „Polarstern?
Damit der Forschungseisbrecher „Polarstern“ in beiden Polarregionen unterwegs sein kann, muss er zwischendurch immer auch von Norden nach Süden und von Süden nach Norden überführt werden. Diese Überfahrten dienen ebenfalls zu Forschungs- und manchmal auch zu Ausbildungszwecken. Prof. Sieroka wird in seinem Vortrag über eine solche Überfahrt berichten — über das, was gemessen wurde, wie das Leben an Bord ist, und vor allem darüber, welche philosophischen Themen er mitten auf dem Ozean rund um Meer und Wasser unterrichtet hat.

12. März 2026, 19 Uhr,
Bremer Presse Club, Schnoor 27
Prof. Gabriel Wollner, Bremen
Revolutionäre Erlösung und Sozialismus als Leben nach dem Tod

Vergangene Veranstaltungen

12. November 2025 19:00 Uhr
Universität Bremen, SFG Raum 2040, Enrique-Schmidt-Str. 7
Prof. Dr. Ursula Wolf (Universität Mannheim)
Aristoteles über das Gut für den Menschen
(in Kooperation mit der Universität Bremen)

6. November 2025, 19:00 Uhr
Bremer Presse Club, Schnoor 27
Max Melcher (Mannheim)
Können wir von Platon lernen, was Wissen ist?
Über eine versteckte Definition von Wissen im Dialog „Theaetet“.

23. Oktober 2025, 19:00 Uhr
Bremer Presse Club, Schnoor 27
Dr. Frank Kannetzky (Universität Bremen)
Wahrheit und Wahrheiten.
Pragmatischer Wahrheitsbegriff und Pragmatik des Wahrheitsbegriffs

9. Oktober 2025, 19:00 Uhr
Bremer Presse Club, Schnoor 27
Dr. Sarhan Dhouib (Universität Hildesheim)
Konzepte der religiösen Toleranz bei europäischen und arabischen Denkern

24. September 2025, 19:00 Uhr
Bremer Presse Club, Schnoor 27
 Prof. Dr. Hoyningen-Huene (Universität Zürich)
Ist Wissenschaft „westliche Wissenschaft‘ „?